|
Module oder Segmente? Von der Theorie zur Praxis
1. Module oder Segmente?
Von Anfang an war klar, dass meine Anlage im Notfall einen Umzug überstehen muss. Deswegen kam der Aufbau einer rein stationären Anlage nicht in Frage. Also
muss die Anlage so gebaut werden, dass sie im Ernstfall irgendwie in kleine, transportable Einheiten geteilt werden kann, die einen Transport einzeln überstehen werden.
Bei diesen Überlegungen war mir ein MIBA-Heft mit dem Titel “Module und Segmente” sehr hilfreich. Demzufolge unterscheidet man generell zwischen Modulen und
Segmenten wie folgt:
- Module
sind solche Anlagenteile, welche mit festgelegten, oft auch genormten (z. B. FREMO, Nord-Modul) “Anlagenkanten” ausgerüstet sind, was den entscheidenden Vorteil hat, dass aufgrund der Normung eine freizügige Kombination der Module untereinander möglich ist und dadurch Anlagen beliebiger Grösse zusammengestellt werden können.
- Segmente
sind solche Anlagenteile, bei denen es keine genormten “Anlagenkanten” gibt, so dass die Zusammenstellung der Segmente zu einer Anlage nur in genau einer (zuvor definierten) Lage möglich ist.
Da ich für die Realisierung meiner Anlage zahlreiche Ideen gesammelt hatte, die ich unbedingt verwirklichen wollte (z. B. grosszügige Schattenbahnhöfe,
zweigleisige Hauptstrecke mit abzweigender Nebenstrecke usw.), war mir schnell klar, dass nur eine Anlage in Segmenten sinnvoll sein könnte. Also beschloss ich bei der nachfolgenden Anlagenplanung, die gesamte
Anlage in einzelne Segmente zerlegbar zu gestalten. Grundphilosophie ist dabei, dass die Anlage im Normalzustand nicht getrennt werden soll, so dass sie prinzipiell wie eine stationäre Anlage aussieht, jedoch durch
die geschickte Anordnung aus einzelnen Segmenten für den Fall der Fälle mehr oder weniger einfach zerlegt werden kann.
2. Von der Theorie zur Praxis
Soweit die Theorie. Denkt man aber praktisch weiter, kommt man sehr schnell an einige Problempunkte, deren Lösung für die Planung und Realisierung der
Anlage von entscheidender Bedeutung ist:
1. Wie realisiert man bei einer Anlage aus einzelnen Segmenten die Gleisübergänge zwischen zwei Segmenten im sichtbaren
Bereich, so dass die Anlage im Ernstfall getrennt werden kann?
2. Wie realisiert man bei einer Anlage aus einzelnen Segmenten die Gleisübergänge zwischen zwei Segmenten im unsichtbaren
Bereich, d. h. vor allem im Bereich von Schattenbahnhöfen, so dass die Anlage im Ernstfall getrennt werden kann?
3. Wie gestaltet man das Gelände, so dass die Anlagensegmente später ohne grössere Schäden getrennt werden können?
4. Wie geht man damit um, wenn aufgrund der Topologie der geplanten Anlage nicht nur einfache Gleisstücke, sondern gar Weichen
über den Segmentkanten zu liegen kommen?
Man sieht, keine einfachen Fragen! Nach umfangreichen Recherchen in Büchern und im Internet habe ich für mich folgende Problemlösungen gefunden:
Zur 2. Frage:
Ich fange absichtlich mit der 2. Frage an: Im unsichtbaren Bereich wird wie folgt vorgegangen: alle Gleise werden auf Korkunterlagen geklebt - mit Ausnahme
der Gleisstücke, welche direkt über der Segmentkante zu liegen kommen. Diese Gleisstücke werden nicht verklebt und durch die rechts und links angrenzenden Gleisstücke fixiert. Zusätzlich werden diese jeweils rechts
und links angrenzenden Gleisstücke mit je einem Metallstift auf der Trasse fixiert. Ergebnis: im Notfall muss keines der unterirdischen Gleise mit Gewalt gelöst oder gar mit der Trennscheibe zerteilt werden, sondern
die Segmente lassen sich einfach auseinanderziehen, und das “freie” Gleisstück wird anschliessend entnommen und beim späteren Wieder-Zusammenbau einfach wieder eingefügt.
Zur 1. Frage:
Im sichtbaren Bereich wird genau so vorgegangen, wie im unsichtbaren Bereich - jedoch ergibt sich hier wegen der vorgesehenen Einschotterung der Gleise ein
zusätzliches Problem. Dies rührt daher, dass das für die Einschotterung aus Kostengründen vorzusehende Wasser-Weißleim-Spülmittel-Gemisch nach dem Austrocknen steinhart wird. Daher ergeben sich hier beim Trennen der
Segmente zwei Möglichkeiten: entweder, man trennt die Gleise vorsichtig mit einer Trennscheibe, wobei man hier gleich das Schotterbett mit auftrennt, oder man verzichtet darauf, zieht die Segmente vorsichtig
auseinander und nimmt dabei in Kauf, dass zwar die Gleise sich definiert trennen lassen (nämlich dort, wo sie ohnehin zusammengesteckt sind), nicht jedoch das Schotterbett, was dazu führt, dass beim anschliessenden
Wieder-Zusammenbau der Anlage das Schotterbett ausgebessert werden muss.
Zur 3. Frage
Diese Frage ist relativ leicht zu beantworten: jedes Segment besteht aus einem Grundrahmen und der Aufbau aus einzelnen Spanten. Beim Zusammenstellen der
Segmente treffen so immer zwei gleichartige Spanten, mithin zwei gleiche Anlagenformen aufeinander. Die Geländeform wird mittels Fliegengitter hergestellt, wobei dieses natürlich nicht über eine Segmentkante
hinausragen darf. Jedoch wird die oberste Geländehaut, die z. B. aus Gips oder aus Gipsbinden hergestellt wird, erst nach dem Zusammenstellen und gegenseitigen Befestigen der einzelnen Segmente hergestellt, und zwar
durchgängig über die Segmentkanten hinweg. Dadurch entsteht der Eindruck einer stationären Anlage. Im Ernstfall braucht man jedoch lediglich ein scharfes Bastelmesser und eine ruhige Hand, um die Geländehaut an der
vorgesehenen Stelle vorsichtig aufzutrennen und damit die Segmente auseinanderziehen zu können. Klar ist, dass Gebäude o. ä., die über solchen Segmentkanten zu stehen kommen, vorher einfach entfernt werden müssen.
Zur 4. Frage:
Dies ist ohne Zweifel der komplizierteste Fall. Bisher ist mir keine andere Lösung eingefallen, als die unter 2. beschriebene. Schlimmsten Falles muss ich
in Kauf nehmen, dass die Weiche den Trennvorgang nicht übersteht, und beim Wieder-Zusammenbau eine neue Weiche einsetzen. Doch das ist immer noch die bessere Lösung, als eine stationäre Anlage wegen eines Umzuges
insgesamt abreissen zu müssen...
Das alles ist - zugegebenermassen - noch pure Theorie. Selbstverständlich werde ich im weiteren Verlauf der praktischen Arbeiten beim Aufbau meiner
Modellbahn über die praktische Realisierung hierzu berichten!
|